Efolgsgeschichte

Rajiv

Rajiv, Sarah und Mazen aus dem Sudan, versuchen es zum zweiten mal in Wien.

In Wien hat Rajiv es geschafft, sein im Sudan begonnenes Studium der Pharmazie abzuschließen, er hat währenddessen in einer Apotheke gearbeitet. Sarah hat sich um den Sohn gekümmert, kein Deutschkurs, keine Ausbildung, keine Arbeit. Rajiv und Sarah haben ein 10 jähriges Kind verloren, es ist in Österreich an einer schweren Erkrankung gestorben. Die beiden völlig verzweifelten Eltern sind nach 14 Jahren in Österreich mit ihrem zweiten Sohn wieder in ihre Heimat Sudan zurückgekehrt, ob sie dort Ruhe finden?

Nachdem die Situation im Sudan zunehmend gefährlicher wurde, kam die Familie mit dem nun 11jährigen Sohn Mazen wieder nach Österreich. Der Vater findet keine Arbeit, die Mutter kann ohne ihn nichts tun, Mazen wiederholt zum dritten Mal die 4. Klasse Volkschule als Somia in der U bahn auf Sarah aufmerksam wird, weil diese Frau den Vorwürfen ihres Sohnes schon seit 4 Stationen nichts entgegnet. Somia kommt auch aus dem Sudan, sie ist eine NACHBARIN und spricht die beiden auf arabisch an. Sarah sieht auf, lächelt zurück, Mazen starrt aus dem Fenster, er darf nicht zum Fußball, das wird diese Frau auch nicht ändern.

Nach dem ersten Hausbesuch weiß Somia, dass Mazens Vater einen Schulwechsel wollte, er hat das Gefühl, dass sein Sohn sehr ungerecht behandelt wird, die Direktorin lehnt das ab. Die letzte Klassenwiederholung war nach dem Lockdown, Mazen hätte die Schule besuchen sollen, die Familie hat das nicht verstanden, Mazen hat sich deutlich verschlechtert während dieser Wochen.

Somia sieht in Mazens Augen. Sie sind klug, sie sind verletzt, sie sind trotzig, sie können lächeln. Somia vereinbart mit dem Buben, dass er Lernhilfe vom Verein bekommt. Die Familie muss für diese Lernhilfe, die zu Mazen nach Hause kommt, verschiedene Aufgaben erfüllen. Jeder darf ein Ziel beschreiben und eine Forderung an die jeweils andere Partei richten. So kommt ein Vertrag zustande, der von Mazen, seinen Eltern, der NACHBARIN und der LernhelferIn unterschrieben wird und auf den man sich jederzeit berufen kann.

Mazen hat im Sudan immer auf der Straße Fußball gespielt. Das kann er gut, damit könnte er auch seine Klassenkameraden beeindrucken. Er wünscht sich, dass seine Eltern ihn bei einem Verein anmelden.

Sarah möchte Deutsch lernen, sie hat die Abhängigkeit satt. Dafür müssen Mazen und Rajiv im Haushalt mittun, die Aufgaben werden jede Woche gemeinsam neu verteilt.

Rajiv braucht dringend Arbeit. Somia hilft ihm dabei, dafür muss Rajiv Sarah die Freiheit für Kurse und Ausbildung geben und ihr die Zeit dafür schaffen.

Im November hat Irmgard mit der Lernhilfe begonnen. Kurz nach Weihnachten kam Mazen mit dem ersten Einser auf Deutsch nach Hause, auf die nächste Schularbeit bekam er einen Dreier. Er ist ein super Rechner, hat jetzt lauter Einser auf Mathe Schularbeiten, früher hat er die Angaben für die Textrechnungen nie verstanden.

In den Weihnachtsferien besucht Mazen den Scratchkurs im MUMOK, dort bekommen die NACHBARINNEN für „ihre“ Kinder Stipendien. In dem Kurs lernt Mazen mit dem geliehenen Laptop umgehen und findet zwei Freunde aus Wien und aus Lybien, mit denen er ab nun regelmäßig Fußball spielen geht, zweimal in der Woche trainiert er im Verein.

Mazen hat sich durch die Lernhilfe sehr verändert. Er schreibt gerne und viel besser, er hat Lust zu lernen und er ist sich sicher, dass er die Mittelschule schaffen wird.