Efolgsgeschichte

Hava

Hava kommt aus Tschetschenien , ist 29 und lebt seit 5 Jahren mit ihren 2 Kindern (8+10 Jahre) in Wien.

Als Kind war sie sehr schüchtern. Ab 10 Jahren lebte sie wie eine Sklavin ihres gewalttätigen Onkels, ihre Eltern konnten sie nicht schützen. Nach Abschluss der Pflichtschule (in Tschetschenien 10 Jahre) wurde sie mit einem von Anfang an gewalttätigen Mann verheiratet und bekam 2 Kinder. Der Mann reiste nach Österreich, erhielt Asyl, die Frau kam mit den Kindern später nach, bekam nur ein Visum, das sie alle 2 Jahre verlängern muss. Hier wollte sie vor der Gewalt des Mannes entfliehen und wieder nach Tschetschenien, aber ihre Eltern konnten sie aus traditionellen Gründen nicht aufnehmen.

Irgendwann hat eine Nachbarin der angrenzenden Wohnung die Schläge nicht mehr ertragen und die Polizei gerufen. Sie lebte für kurze Zeit mit den Kindern im Frauenhaus. Friede von der Gewalt aber ein Chaos für die zwei Kinder. Beide sind in der Volksschule und mussten ihre Klasse wiederholen, weil sie sehr oft fehlten. Das Frauenhaus und die neue Wohnung lagen weit entfernt vom früheren Wohnsitz und die Mutter schaffte es in ihrer Depression nicht, die Kinder regelmäßig zur Schule zu begleiten. Außerdem kam eine Krise dazu, weil die Verlängerung ihres Visas zwar rechtzeitig eingereicht, aber nicht rechtzeitig bearbeitet wurde, was zum Entfall der Sozialhilfe über Monate führte. Hava hat hier nur eine einzige Bekannte, die ihr hin und wieder Geld borgt. Die Kinder sind stark abgemagert und wenn es gar nicht anders geht, schickt Hava die beiden zum Vater, damit sie sich sattessen können. Der Vater hat mittlerweile eine andere Frau hier in Wien und schickt die Kinder immer sehr schnell zurück.

An diesem Punkt lernt Hava Malka kennen, eine der NACHBARINNEN. Sie kommt auch aus Tschetschenien, kennt Havas Lage, die alten Traditionen, weiß, wie eine Flucht ist und was es bedeutet, sich hier in Österreich auf die eigenen Beine zu stellen.

Malka baut ein Vertrauensverhältnis auf, durch Besuche bei Hava kann sie einschätzen, was sie braucht, um wieder Mut zu fassen. Augenblicklich verbessert sich auch die Stimmung zwischen der verzweifelten Mutter und ihren Kindern.

Malka hilft bei allen anstehenden Dingen, die Scheidung wird eingereicht, eine erschwingliche Wohnung ist rasch gefunden und die Kinder wechseln in eine nahegelegene Schule und besuchen den Hort. Hava wird Praktikantin in unserer Nähwerkstatt und lernt dabei, den Haushalt und die Kinder mit einem Job zu vereinen.

In der Nähwerkstatt nimmt sie an den von den NACHBARINNEN dort eingerichteten Deutschkursen teil. Zu Hause helfen ihr die Kinder weiter, jeden Tag werden 10 Worte Deutsch gelernt, auf jedem Gegenstand zu Hause klebt ein Zettel mit dem deutschen Namen.

Beide Kinder haben häusliche Lernhilfe von den NACHBARINNEN, damit sie aufholen und eine neue Zukunft gestalten können. Die Tochter ist akrobatisch sehr begabt und besucht derzeit Schnupperstunden in einem Gymnastikkurs für Kinder. Es macht sie sehr glücklich, sie möchte weitermachen, aber so viel Geld steht der Familie noch nicht zur Verfügung. Wie schön, wenn sie dort trainieren könnte und dabei nicht nur ihre Begabung gefördert, sondern auch ihr Deutsch besser wird. Und natürlich auch die Motivation, die Schule optimal abzuschließen, um später einmal Gymnastiklehrerin oder Tänzerin werden zu können. Das wäre wohl einer der seltenen Fälle, wo ein tschetschenisches Mädchen seinen ganz eigenen Lebensweg gehen könnte, ohne dass Eltern oder Tradition ihr ein Schicksal befehlen.

Für Hava war es zuerst sehr anstrengend, sich aus diesem tiefen seelischen Loch aufzurappeln, sich selbst und den Kindern wieder Sinn im Leben zu erarbeiten. Malka kann ihr dabei durch viele kleine Vereinbarungen sehr gut helfen. Für jeden Schritt von Hava gibt es eine Hilfestellung auf dem Weg in unsere Gesellschaft.